Dreiherrenspitz - Nordostverschneidung

veröffentlicht am 11.05.2012 von Timo Moser

Om, Om mani padme hum, Om man ist da viel Schnee, Ommm…

Immer wieder zwang uns der meist zu dünne Harschdeckel in die Knie und wir krochen gebetsartig der Wand entgegen. Wie Pilger zum Kailash, näherten auch wir uns der Dreiherrenspitz Nordwand, mit voller Demut, was durch unseren Gehstil noch verstärkt wurde. Om.

Unsere Pilgerreise verlängerte sich aufgrund des demütigen ankriechens auf vier Stunden anstatt der geplanten zwei einhalb. Dafür wurden wir bestimmt von einigen Sünden befreit bzw. unser Karma wurde aufgewertet.

Unter der Wand angekommen hieß es erstmals Kleidung trocknen, frühstücken und Zeug zam suchen für die Wand. Die Sonne fand überraschend lang einen Weg in die Nord?wand, wodurch es zum einen angenehme Temperaturen hatte, zum anderen jedoch unangenehme Rutsche und aufgeweichte Verhältnisse vorherrschten. Im gesamten nicht ganz ideal. Da die Sonne vor allem in den rechten Wandteil schien, hofften wir uns Besserung sobald wir weiter oben aus dem Einzug dieses Wandteils kommen würden.

Die ersten drei Längen sind steiles Schneegestapfe und führen links haltend in ein Rinnensystem dem wir weiter zu folgen versuchten. Die unzähligen Spindriftattacken versuchten uns aus dieser Rinne hinauszutreiben. Wir überlegten rechts in den Fels auszuweichen um den Spindrifts zu entgehen, befürchtet jedoch bei verschlossenen Platten den Rückweg antreten zu müssen. Vor uns lag ein steilerer Aufschwung, welcher über eine schon etwas feuchte Glasur, in den von uns erhofften flacheren Wandabschnitt führte. Also Kapuze auf und Zwischensicherungen rein. Dieser Bereich wurde noch von der Sonne beschienen, wodurch es empfindlich tropfte und wir uns zwangsweise einer feucht triefenden Reinigung unserer sündigen Körper vollzogen.

Nach dieser Länge wurde es vorerst wirklich flacher, schattiger und wir waren aus dem Einzug der rechten Wandflanke, Erleichterung machte sich breit. Der geneigten Rinne folgten wir bis zum letzten Gipfelaufbau, welcher es noch mal in sich hatte. Die oberen drei Längen waren spannende Kletterei über verschneite Platten und Schrofen mit zum Teil schlechten Sicherungsmöglichkeiten. Um halb zwei wuchteten wir uns über die Gipfelwechte und genossen die trocknenden Sonnenstrahlen.

Tourenbeschreibung
Dreiherrenspitz Nordostverschneidung rechter Ausstieg: 450m Wandhöhe unsere Einschätzung, V+, M5, Eis 90°, ca. 9 lange Seillängen, 6-7Std.

Auszug Alpenvereinsführer Venedigergruppe:
S. Brunhuber, W. Schneider, 17.09.1947, 16Std., Gfr 1968/57, ABZ 1947, ÖAZ 1947/182. Neue Anstiegsbeschreibung; H. Kammerlander, W. Beikircher, August 1981, 4 Begehung, 8 Std., BGS 1985/7/26

Fels V+ (unterer Teil), III, IV (oberer Teil), Eis 50-65°, 450Hm. Fast immer vereistes Gelände, ab Wandmitte brüchig und keine sicheren Standplätze. Einzelstellen schwieriger als die Schlüsselstellen der Heckmair-Route in der Eiger N-Wand (S. Brunhuber). Vgl Foto S. 185.

Zustieg
Übers Krimmler Achental. Ab Materialseilbahnstation der Warnsdorfer Hütte 1845m bis Einstieg 3000m rechts haltend übers Krimmler Kees ca. 3-4Stunden. Im Sommer Bergschrundproblematik. Bei uns im Mai knapp aber ausreichend eingeschneit.

Material
0,4-2 C4 einfach 0,5 und 0,75 doppelt
Klemmkeilsatz
Schlaghaken 5stk
Zwei Eisgeräte/Person
4 Eisschrauben (im Gully bzw Eis brauchbar bei uns zu weich)

Abstieg
2-3Std. Normalweg über Birnlücke, unproblematisch mit kurzem Gegenanstieg zur Birnlücke.

Literatur
Alpenvereinskarte Nr. 36 Venedigergruppe

Alpenvereinsführer Venedigergruppe, Willi End und Hubert Peterka, 5. Auflage 2006 Seite 388

PROGRAMM ZUM BERICHT