Skihochtouren in den Westalpen

veröffentlicht am 25.04.2015 von Felix Autor

Eine kleine Geschichte über zwei Wochen Urlaub in den Westalpen:
Berner Oberland, Wallis, Mont Blanc, Dauphiné, Gran Paradiso, da stehen die vielen Berge, die die magische 4000m-Grenze überschreiten. Aber auch, wenn viele namhafte Gipfel noch so locken wollen, einigten wir uns gleich auf eine entspannte Herangehensweise und entwarfen den simplen, unplanbaren Plan, uns ohne bestimmten Gipfel-Muss zwei Wochen zu Orten leiten zu lassen, die entspanntes hohes Skitouren bei möglichst schönem Wetter zulassen. Ganz egal, ob unbekannt oder bekannt, ob Plaisir oder Prestige. Übermotivierter Größenwahnsinn und eine Koste-es-was-es-wolle-Mentalität sollte uns nicht unseren Urlaub verderben.

So starteten wir zwar nicht akklimatisiert, aber zu dritt, Gerhard, Franko und Felix, voller Motivation, Spontanitätsbereitschaft und guter Laune ins Berner Oberland, um diese Vorsätze gleicheinmal zu verwerfen und alle Grenzen aufgezeigt zu bekommen, die wir bei einer guten Tourenplanung wohl nicht hätten erfahren dürfen: Nächtliches Umherirren im Nebel und Sturm nach 10 Stunden Autofahrt mit knurrendem Magen, eine klirrend-kalte Biwaknacht, 2 kleine Dosen Bohnen und ein paar Müsliriegel für 3 hungrige Mäuler auf 48 Stunden bei nicht mehr als 1 Liter Flüssigkeitsaufnahme, Magen-Darm-Delirium und die totale körperliche Erschöpfung nach stundenlangem Hatschen auf nicht-enden-wollenden Gletschern bei zunächst gleisender Sonne und dann beißendem Wind, 15 Stunden Komaschlaf in nasser Bekleidung,... und dennoch, vielleicht einmal ein leises Fluchen, aber nie ein Jammern war zu vernehmen, und mit kopfschüttelndem Lächeln über unsere körperlich anstrengendste Tour, die wir je in unserem Leben gemacht haben, umarmten wir uns am Gipfel bei noch sonniger Stimmung und herrlichem Überblick über die Berner Alpen. Dunkle Wolken im Norden drängten uns bald zur Rückkehr ins Tal, der ausbrennende Hatscher zurück zum Auto ließ uns das wohlverdiente Essen dann nur noch mehr schmecken.

Zwischenfazit: Diese Skihochtour ist zwar zu dieser Zeit wunderbar einsam, aber in unserer Variante leider nicht zu empfehlen. ;) Für uns war sie neben vielen lehrreichen Erfahrungen auch "a g'sunde Watschen", die uns wieder einmal vor Augen führte, das wir auch nur mit Wasser kochen!

Nunja, auf den Boden der Tatsachen wieder angekommen, musste Gerhard uns dann leider wieder verlassen, da seine Arbeit rief. Wir waren nun zu zweit und hatten noch 14 Tage Zeit... hmm, und was dann kommen sollte, war eine Zeit, die wir uns nicht besser hätte erträumen können. Das Wetter tobte auf Alpennordseite und so verschlug es uns zunächst auf die Südseite ins Aostatal und dann in den Gran-Paradiso-Nationalpark, den wir in stets eigener Spur und meist großer Einsamkeit über ausgesetzte Gipfel durchquerten, um dann am letzten Tag mit einer 1500-Höhenmeter-Abfahrt in unverspurtem 30cm-Pulverschnee belohnt zu werden. Unsere Erholung fanden wir im wunderbaren Örtchen Villeneuve bei ausgiebigem Schlemmen, Bier und Sportklettern. So konnten wir gestärkt auf Umwegen über kleine Straßen und einsame Täler ("Fahr ma übers Gresonney nach Alagna") ins Monte-Rosa-Gebiet der Walliser Alpen einfallen, um uns dort von den gewaltigen Dimensionen von Seracs, Gletscherbrüchen und Spalten beeindrucken zu lassen. 

Fazit: Zwei intensive Wochen auf den Ski oder Steigeisen im Ausdauerflow, mehr als 18000 Höhenmeter meditatives Dahintrotten, dazwischen u.a. 11 Viertausender, 2 Eiswände, 1 Steilwand-Skibefahrung, lustige Hüttenabende, eine unvergessliche Zeit in beeindruckenden Gegenden, teils soo einsam, meist soo windig, mit unglaublichen Stimmungen und imposanten Tiefblicken in atemberaubenden Momenten. Carpe Diem! Es bleibt nur Danke zu sagen, für diese unvergessliche abenteuerliche Zeit und das reibungslose Miteinander!


Ticklist: Skihochtouren in Italien / Schweiz, 27.03. - 10.04.2015

Berner Oberland, Oberaarhorn
| ~ 2300 Hm

27.03.     Chienxenteten (1575m) > irgendwo am Grimselpass (2200m), Biwak | 700 Hm
28.03.    > Oberaarsee (2300m) > Oberaarhütte (3256m) | 1200 Hm
29.03.    > Oberaarhorn (3629m) | 370 Hm


Nationalpark Gran Paradiso Durchquerung | ~ 8800 Hm

30.03.    Valnontey (1660m) > Rif. V. Sella (2579m) | 920 Hm
31.03.    > Gran Serra (3552m), II > Col Biv. Sberna (3414m) > Rif. V. Emanuele II (2719m) | 1600 Hm
01.04.    > Gran Paradiso via Nordwestwand (4061m, II, 55°) > Valsavarenche (1525m) | 1350 Hm
02.04.    > Punta Percia N/S (3225m) > Chardonne (1800m) > Rif. Benevolo (2287m) | 2350 Hm
03.04.    > Grande Traversière (3465m, II) > Rif. Bezzi (2285m) | 1400 Hm
04.04.    > Becca di Giasson (3215m) > Valgrisenche (1650m) | 1000 Hm


Monte Rosa | ~ 7000 Hm

06.04.   Alagna Valesia (1154m) > Seilbahn zum Punta Indren (3260m) > Rif. Gnifetti (3647m) | 300 Hm
07.04.    > Vincentpyramide (4215m) > Zumsteinspitze (4561m), II > Signalkuppe (4559m)
> Parrotspitze (4436m) > Ludwigshöhe (4342m) > Schwarzhorn (4322m), 50° > Rif. Gnifetti | 1500 Hm
08.04.   > Liskamm E via Nordostwand (4527m, 55°) > Monte Rosa Hütte (2883m) | 1250 Hm
09.04.    > Dufourspitze (4633m, II) > Nordend (4609m, II) - Skibefahrung der Westwand (50°) > Monte Rosa Hütte | 1950 Hm
10.04.    > Liskamm Überschreitung von W (4480m) nach E (4527m), III > Alagna Alesia | 2000 Hm


Ein paar Bilder sind im Slider oben.

Wir bieten natürlich auch geführte Skihochtouren, Eis- und Klettertouren in den Westalpen an.
Hier gehts z.B. zu unseren Bergsteigerperlen und Extremklassiker... und wenn du ein persönliches Tourenziel hast, dann teile uns doch einfach deinen Wunsch mit.

PROGRAMM ZUM BERICHT